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Zum Projekt »Support the talents«

Der gemeinnützige Verein »Meister für Afrika« hat gemeinsam mit dem Westdeutschen Handwerkskammertag aus Düsseldorf, der Dachorganisation der Handwerkskammern aus NRW, das Pilotprojekt zur Förderung der Steinbildhauer-Ausbildung in Simbabwe unter dem Titel »Support the talents« intitiiert.

Fünf Eckpunkte

  1. Der junge Steinbildhauer-Nachwuchs ist kreativ, talentiert und motiviert. Auf der anderen Seite fehlt es an ausreichendem Werkzeug und Geld zur Förderung von Ausbildungsverhältnissen.
  2. Eine Struktur, die für gewisse Mindeststandards und ­Sicherheit in der Ausbildung sorgt und diese überprüft, existiert nicht. Ein erster Rahmen, der die Inhalte, Methoden und die zu vermittelnden Techniken formuliert, wurde aktuell über das Projekt in Form eines Curriculums entwickelt.
  3. Grundlagen des Arbeitsschutzes sind weitgehend fremd.
  4. Junge Frauen sind zusätzlich benachteiligt, wenn sie die Kunst der Steinbearbeitung erlernen möchten.
  5. Die Vermarktung der Kunstgegenstände geschieht eher zufällig.

Zur Projektidee

  • Übertragung geeigneter Elemente aus der deutschen Steinmetzausbildung mit dem Ziel, die Qualität zu verbessern, den Arbeits- und Gesundheitsschutz zu fördern, Arbeits- und Ausbildungsplätze zu schaffen, Kooperationen mit deutschen Steinmetzbetrieben und Galerien auszubauen und die Vermarktungsfähigkeit auszubauen
  • Vorbeugung gegen wachsende Kinderarbeit
  • In besonderer Weise sollen die Wünsche junger Frauen, die das Handwerk erlernen möchten, berücksichtigt werden. Diese sind meist zusätzlich benachteiligt und haben keinerlei Chancen auf berufliche Bildung und Selbstständigkeit.
  • Unterstützungs- und Beratungsstrukturen für den Aufbau einer Selbstverwaltungsorganisation der Steinmetze und Steinbildhauer, die auf Dauer einerseits das Bildungs- und Prüfungswesen selbst trägt und andererseits die Bildhauerei von ihrer Basis her stärkt

Die Leistungen des Projeks »Support the talents«

  • Ausarbeitung eines Curriculums, das die Ausbildungsqualität sichert und das Können und Wissen transparent und vergleichbar werden lässt
  • Etablierung eines ersten Prüfungswesens vor Ort
  • Künstlerin für die gezielte Ansprache junger Frauen als Multiplikatorin gewinnen
  • Gespräche und Workshops für die Ausbildung der Ausbilder vor Ort und Fortbildung der Prüfer durch einen Dozenten aus Deutschland

Für Nachhaltigkeit und Transfer

  • Durch das Projekt soll gleichfalls die Akquise von Spendengeldern weiter gestützt werden. Organisiert wird der direkte Einsatz von Spenden für das jeweilige Ausbildungsverhältnis vor Ort von dem gemeinnützigen Verein »Meister für Afrika«.
  • Nach Projektende werden die Projektergebnisse und -leistungen von dem Verein übernommen und in Zusammenarbeit mit den Akteuren in Simbabwe fortgeführt bzw. verstetigt.
  • Über den Aufbau eines Netzwerks zwischen Steinmetzen, Galerien, Spendern und Freunden des Vereins, soll gleichfalls der Austausch mit den Steinmetzen in Simbabwe und die Bekanntheit der Steinskulpturen vertriebsfördernd ausgebaut werden.

Wir sind dabei:

Hintergrund

Die handwerkliche Steinbearbeitung und die Kunst der Herstellung von Steinskultpuren ist fester kultureller Bestandteil Simbabwes. Eine Tradition, die weit zurückreicht und die sämtliche Krisen und Unterdrückung überdauert hat. Die nötigen Fähigkeiten und Werkzeuge werden bis heute innerhalb der Familie an die jeweils nächste generation weitergereicht.

Mitte des 20. Jahrhunderts entstand eine neue, eine junge Szene für plastische Steinkunst. Zeitgenössische Formen, abstrakte Darstellungen, gepaart mit afrikanischen Elementen entwickelten sich zu einem modernen, bis nach Europa und Amerika beachteten Stil.

Als Werkstoff bevorzugt die Künstlergemeinde Simbabwes den Serpentinit. Ein grau-grüner bis ins tiefschwarze schimmernder Stein, vulkanischen Ursprungs. Seine Oberfläche wird mit feinstem Sandschleifpapier und Wachs hochglänzend poliert und als natürlicher Kontrast an manchen Stellen in matten grau-weiß belassen.

Eine andere favorisierte Steinsorte ist der aus 100 % Talk bestehende Speckstein, der sehr weich ist und in den Farben weiß, rosa, blau, grün oder auch grau und schwarz vorkommt. Beide Gesteinsarten sind für die Künstler leicht zu beschaffen, da ein großes Vorkommen durch Vulkanausbrüche vor Jahrmillionen an die Erdoberfläche transportiert wurde.

Die Größe der Steinskulpturen aus Simbabwe ist sehr unterschiedlich. Es beginnt mit kleineren Arbeiten, die etwa 15–20 cm messen und reicht bis in eine Höhe von zwei bis drei Metern. Lange, eher abstrakte Stelen oder auch Abbildungen schlanker menschlicher Silhouetten.

Zu finden sind die vielfältigen Objekte nicht nur in kleinen Privatgalerien in den USA, Canada, Italien, Skandinavien oder in Deutschland, sondern auch in den bekannten Ausstellungshäusern, wie dem Moma in New York. Entsprechend breit ist die Preisspanne. Einfachere Skulpturen sind ab etwa 200 EUR zu haben, größere Arbeiten etablierter Steinkünstler erzielen Preise bis zu mehreren Zehntausend Euro.

Die Möglichkeiten, die sich durch den internationalen Verkauf für das Land und insbesondere für die Bildungschancen der nächsten Generation ergeben, sind allerdings längst nicht erschlossen. Die weltweite Nachfrage nach moderner und traditioneller Steinmetz-Kunst aus Simbabwe ist ausbaufähig.

Diese Perspektive, verbunden mit den im Land vorhandenen Kompetenzen und Potentialen, führt bislang kaum dazu, die Ausgangslage für die jungen Menschen nachhaltig zu verbessern. Selbst bekanntere Steinbildhauer-Meister sind aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Simbabwe selten in der Lage, ihr Wissen und Können an die nächste Generation so weiterzugeben und auszubilden, dass dadurch ein stabiles System der beruflichen Bildung in der Steinmetzkunst entsteht. Ein Umstand dem das Projekt »Support the talents« mit einem Netzwerk an Projektpartnern begegnet.

Das Ziel: jungen Menschen eine Chance auf die Entwicklung ihrer Talente zu geben und ihnen durch das Erlernen der Skulpturenherstellung etwas an die Hand, was sie und ihren Familien eine Sicherheit und Zukunft ermöglicht. Die Voraussetzungen dafür, dass dies gelingt, sind gering:

1. Einen Lehrling für ein Jahr zu ernähren und dem Meister Kosten für Material und evtl. beschädigtes Werkzeug zu erstatten, kostet 750 EUR einmalig.

2. Die finanzielle Unterstützung ausgewählter Meisterinnen und Meister, die sich bereit erklären, ihr Wissen und Können auch außerhalb der Familie weiterzugeben und einem jungen Menschen für ein Jahr ihre Kunst beizubringen werden gewährleistet über Spender des Vereins Meister für Afrika.

3. Förderung der Rahmenbedingungen durch den Aufbau einer stabilen beruflichen Ausbildungskultur. Hierfür sind einerseits gewisse Ausbildungsstandards notwendig sowie andererseits ein System, welches Jugendlichen attraktive Chancen und Zugänge bietet.

Erste Schritte in diese Richtung hat nicht zuletzt der Verein »Meister für Afrika« gemeinsam mit dem Westdeutschen Handwerkskammertag und dem vorliegenden Projekt eingeleitet.